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Aus Gras und Kräutern gutes Heu gewinnen

Von alters her ist die Heuernte die erste Etappe bei der Bergung von Futtervorräten für den kommenden Winter. Es gilt, zum richtigen Zeitpunkt das reichlich gewachsene Gras zu mähen. In Mittelsachsen heißt es, um Pfings­ten herum ist dafür die beste Zeit. Anderswo, in Küstengebieten oder in Bergregionen, greift man etwas früher oder auch später zur Sense oder zur heutzutage üblichen Mähmaschine.

Warm und trocken soll das Heuwetter sein, denn wir wollen schnell und verlustarm wohlriechendes Raufutter von den Wiesen ernten. In unserem Fall ist es das „Brot der Kaninchen“, das wich­tigste Grund- oder Grobfutter für Tiere jedes Alters, insbesondere für Jungtiere. Für die Ernährung unserer Kaninchen sind Heu und besonders Grummet von ausschlaggebender Bedeutung.

Über die genaueren Abläufe der Rohfaserverdauung der Kaninchen haben wir schon des Öfteren geschrieben. Deshalb ist bekannt, dass sie für ihre effektive Blinddarmverdauung mit einem Volumen von fast 50 % des gesamten Verdauungstraktes entsprechende Mengen an rohfaserreichem Futter in bester Qualität benötigen. Der Blick auf solche interessanten Vorgänge mit geeigneten Fütterungshinweisen ist beim Grobfutter Heu jedoch immer wieder angebracht. Nicht zuletzt wegen der Unterschätzung des struktur- und ballaststoffreichen Futters für die Verdauung unserer Kaninchen gibt es immer wieder Darmerkrankungen mit hohen Verlusten.

Einiges über die Heugewinnung

Während das Grünfutter wächst und da und dort schon blüht, gilt es, soweit noch nicht geschehen, die Heuernte entsprechend vorzubereiten oder auch zügig durchzuführen. Wir sollten uns einen Überblick verschaffen, wie viel Heu wir benötigen. Die Anzahl und Größe der Tiere in den unterschiedlichen Rassen bestimmten den Umfang des Futterstocks auf dem Heuboden. Die meisten Züchter verfügen über genügend Erfahrung und legen sich deshalb einen ausreichenden Vorrat an. Notfalls kann man sich über verschiedene Lieferanten zusätzlich Heu beschaffen.

Die Gesundheit unserer Kaninchen ist ein guter Grund, alles da­ranzusetzen, um entweder selbstoder mit Hilfe das reichlich vorhandene Grünfutter für die eigenen Kaninchen zu trocknen und damit haltbar zu machen. Leider haben heute viele Züchter nicht mehr die Möglichkeit, Heu einzulagern. Vielleicht sollte man deshalb beim nächsten Um- oder Neubau des Stalls auch an einen Bergeraum für dieses wertvolle Raufutter denken.

Nicht jedes Jahr ist ein gutes Heujahr

Gräser und Kräuter, das ist uns bekannt, besitzen kurz vor ihrer Blüte die höchsten Nährwerte. Folglich greifen auch zu diesem Zeitpunkt viele Züchter zur Sense oder zur Mähmaschine, um das Gras zu schneiden. Doch manches Mal wird der gute Wille durch das aktuelle Wetter zunichtegemacht. Beginnen wir bei Regen mit dem Schnitt in der Hoffnung auf Sonne am Tag darauf, oder warten wir auf eine vorausgesagte längere Schönwetter-periode? Mähen wir gleich die gesamte Grünfläche oder nur erst einen Teil davon?

Manche Züchter richten sich bei ihrer Ernte auch nach dem Mondkalender und schwören auf Frucht-, Wurzel-, Blüten- oder Blatttage. Letztere geben den Ausschlag für die Ernte von allem Grünen, aber auch Kohl- und Salatarten. Wieder andere schlagen erst im berühmten Hundertjährigen Kalender nach, doch auch der irrt sich ab und zu, genau wie der Wetterdienst.

Bei Wetterprognosen für die eigene Schnittarbeit sollte man sich unbedingt auch an den Großwetterlagen orientieren und dann in Funk, Fernsehen oder Internet eine zuverlässige Voraussage für den konkreten Wohnbereich in Betracht ziehen. Stellt sich eine güns­tige Wetterlage ein, mobilisieren viele meist die ganze Familie, Vereinsfreunde oder Nachbarn, um die Heuernte gut über die Runden und ins Trockene zu bringen.

Auf freien Flächen mit Harken und Rechen

Man kann sich seine Heuwiesen nicht immer aussuchen. Als Tro­ckenflächen bewährt haben sich von jeher Wiesen in freien Lagen mit viel Sonne und Wind. Doch es gibt natürlich auch Flächen mit einer hohen natürlichen Bodenfeuchtigkeit, was die pflanzliche Struktur des Grünlands beeinflusst. Süßgräser, vermischt mit allerlei Kräutern, sind weitaus besser geeignet für Kaninchenheu als Sauergräser von zumeist feuchtem Gelände.

Auf jeden Fall ist es falsch, Grünes nach dem Schnitt und angewelkt auf schattigen, nicht sehr trockenen Wiesen einfach liegen zu lassen oder höchstens nur einmal am Tage zu wenden. Hier muss mit Rechen, Harke oder Gabel mehrmals am Tag gewendet werden. Gegen Abend wird beim letzten Sonnenschein das Trockengut in den Schwad gelegt bzw. „geleiert“ und danach in kleine, dafür mehrere Heuböcke aufgesetzt. Die kleineren Heuhaufen trocknen in warmer Nachtluft noch nach, und beim Breitmachen am nächsten Vormittag geht alles schneller und leichter. Zeigen sich Regenwolken, sind große Heuhaufen günstiger, die man schnell mit einer Plane abdecken kann.

Je länger das Trockengut auf dem Boden liegt, umso mehr Nährstoffe gehen verloren. Optimale Trockenzeiten am Boden sind höchstens zwei bis drei Tage. Beim Heuwenden und beim erneuten Breitmachen entstehen jedesmal Bröckelverluste, da trockene Blätter von den Heustängeln abbrechen und so für die Fütterung verloren gehen. Schon unsere Vorfahren nutzten deshalb selbst gebaute Gestelle für die Heu- und Grummettrocknung. Sie bekamen dadurch auch sofort die Wiesen frei für das nachwachsende Grünfutter.

Praktische Trockengestelle auf Heuwiesen

Mit etwas Geschick und einfachen Mitteln wie Holzpfählen, Spanndraht oder stabilen Dachlatten lassen sich in kurzer Zeit sehr nützliche Trockengestelle im Eigenbau errichten. In manchen Gebieten verwenden Tierhalter nach wie vor für die Heugewinnung derartige Trock­nungshilfen. Ich habe sie im Erzgebirge ebenso angetroffen wie im Spreewald, nahe flachen Wasserläufen und im Schwarzwald auf hängigen Wiesen.

Diese Trockengestelle werden auch Reuter genannt, und landschaftlich unterschiedlich kennt man da verschiedene Bauarten: Der Heinze-Stabreuter besteht aus einem aufrechten Rundpfahl, an dem in Abständen zueinander verdreht waagerechte Kant- oder Rundhölzer als tragende Bauteile befestigt sind.

Der Dreibockreuter war früher am weitesten in Deutschland verbreitet und besteht aus drei Stangen, die zeltartig am oberen Ende miteinander verbunden sind und nach unten in etwa 50 cm Abstand waagerechte Traghölzer besitzen.

Der Schrägwand- oder Hüttenreuter besteht aus zwei derben Holzrahmen für die Wandflächen mit seitlichen, unten längeren angespitzten Holmen zur Fixierung im Erdreich. Für das Auflegen des Trockengutes sind die Reuterrahmen ebenfalls mit waagerechten Holzlatten oder mit Spanndraht versehen. Diese Reuter lassen sich schnell aufstellen und benötigen, nach der Heuernte unter einem Schauer zusammengestellt, bis zur nächsten Ernte wenig Platz.

Die modernere Art von Trockengestellen mit der höchsten Effektivität sind die Schwedenreuter. Der Arbeitsaufwand dafür ist jedoch, wenn sie jedes Mal neu errichtet werden müssen, am höchs­ten. Man kann aber auf diese Reuter selbst frisch gemähtes oder nasses Gras mehrmals auflegen. Quer zur Hauptwindrichtung aufgestellt und mit voller Sonnenbestrahlung trocknet das Heu schneller als bei anderen Heureutern mit dickeren Grünlagen. Das schonend getrock­nete neue Heu oder Grummet kann bald eingefahren und die nächste Futterlage aufgepackt werden.

Heu brandsicher und fachgerecht lagern

Die Lagerung von Heu und Stroh unterliegt insbesondere für gewerbliche Verbraucher den örtlichen Brandschutzvorschriften. Auch wir Kleintierzüchter sind angehalten, diese zu kennen und prinzipiell einzuhalten. Allgemein gilt für unser wertvolles Heu und Grummet: trocken und luftig in einem geräumigen Bergeraum lagern!

Zu beachten ist, dass das frisch geerntete Heu noch nicht ganz trocken und „gereift“ und deshalb auch nicht gleich zum Füttern geeignet ist. Es enthält nach der Ernte im günstigsten Fall noch etwa 15 Prozent Feuchtigkeit, nach wechselhaftem Heuwetter oder lagebedingt auch noch mehr.

Das neue Heu macht einen Prozess des „Schwitzens“ durch und sondert dabei einen Teil der Restfeuchtigkeit ab. Außerdem findet eine Fermentation mit stofflicher Umsetzung und geringer Wärmeentwicklung statt. Das „Schwitzwasser“ muss an die Umluft abgegeben und durch reichliche Be- und Entlüftung des Heulagers während der ersten sechs bis acht Wochen nach außen abgeleitet werden. Geschieht das nicht, bleibt die Feuchte im Heu, es bilden sich Schimmelnester, und mit der Zeit breiten sich die schädlichen Schimmelpilze immer weiter aus.

Fehlt im Bergeraum der Platz für eine lockere Lagerung oder ist das Heu in gepresster Form aufgestapelt, kann es zur Erhitzung bis hin zur Selbstentzündung kommen. Höchste Gefahr besteht bei etwa 70 °C und mehr Eigenerwärmung. Es ist deshalb ratsam, gelegentlich eine Temperaturmessung durchzuführen.

Vor allem zugekaufte Quader- oder Rundballen müssen vor dem Einlagern auf Feuchtigkeit und mögliche Selbsterwärmung untersucht und gegebenenfalls geöffnet und nachgetrocknet werden. Regelmäßige Temperaturkontrollen sind bei größeren Heumengen unbedingt erforderlich. Mit Heumesssonden in Form von Lanzenthermometern (können evtl. bei der Feuerwehr oder Landwirten ausgeliehen werden) und nicht etwa mit einer Temperaturfühlung per Hand kontrollieren wir im Heulager die Wärmeentwicklung.

Schlussgedanken

Die jährliche Heu- und Grummeternte ist zweifellos ein erster Höhepunkt bei der Gewinnung von Futtervorräten aus eigenem Anbau. Kaninchenhalter und Züchter sind gut beraten, wegen der Bedeutung dieses Grobfutters für die Kaninchenfütterung, mit Sorgfalt und Sachkenntnis bei dessen Ernte und Vorratslagerung zu Werke zu gehen. Der Aufwand zahlt sich immer aus, wenn unsere Kaninchen gesund aufwachsen und allen Beteiligten viel Freude bereiten.

Autor: Lothar Thormann

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