Datenschutz schafft Vertrauen
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Ehrenamt, Vereinsleben und Datenschutz passen zusammen. Der neue Datenschutzbeauftragte des ZDRK erläutert, warum die DSGVO keine Bremse ist, sondern hilft, das Vertrauen der Mitglieder zu stärken und den Verband zukunftssicher aufzustellen.
Liebe Züchterinnen und Züchter, liebe Vereinsvorstände, Funktionsträger und Freunde der Rassekaninchenzucht,
seit der Bundestagung 2025 in Oberhof durfte ich das verantwortungsvolle Amt des Datenschutzbeauftragten des Zentralverbandes Deutscher Rassekaninchenzüchter (ZDRK) übernehmen.
Mit diesem Beitrag möchte ich mich nicht nur als Datenschutzbeauftragter an Euch wenden, sondern vor allem als jemand, der selbst weiß, wie unser Verbandsleben funktioniert. Ich kenne die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die Organisation von Ausstellungen, die Vorstandsarbeit in den Vereinen, die Pflege unserer Zuchtgemeinschaften und die Leidenschaft, mit der wir alle unserem gemeinsamen Hobby nachgehen.
In den vergangenen Monaten durfte ich zahlreiche Gespräche mit Züchterinnen und Züchtern, Vereinsvorsitzenden, Kreisverbänden und Landesverbänden führen. Dabei ist mir immer wieder eines begegnet: Das Wort Datenschutz sorgt häufig zunächst für Skepsis. Manche verbinden es mit Verboten, komplizierten Vorschriften oder zusätzlicher Bürokratie. Nicht selten höre ich Aussagen wie: „Jetzt darf man ja gar nichts mehr.“ oder „Wegen des Datenschutzes wird alles nur noch schwieriger.“
Ich kann diese Gedanken nachvollziehen. Genau deshalb ist es mir wichtig, mit diesem Beitrag aufzuklären und vielleicht auch die eine oder andere Sorge zu nehmen. Denn Datenschutz ist nicht unser Gegner. Und er soll es auch niemals sein. Datenschutz schützt Menschen, nicht Paragrafen!
Datenschutz wird häufig ausschließlich mit Gesetzen, Verordnungen und komplizierten juristischen Begriffen verbunden. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein sehr einfacher Gedanke. Jeder Mensch entscheidet grundsätzlich selbst darüber, wer seine persönlichen Daten kennt und wofür diese verwendet werden. Genau dieses Recht schützt die Datenschutz-Grundverordnung, die DSGVO.
Dabei geht es nicht darum, Vereinsarbeit unmöglich zu machen oder engagierte Ehrenamtliche mit Vorschriften zu überfordern. Vielmehr soll sichergestellt werden, dass personenbezogene Daten verantwortungsvoll behandelt werden. Denn jeder von uns vertraut seinem Verein oder Verband persönliche Informationen an. Namen, Anschriften, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Bankverbindungen oder Angaben zur Mitgliedschaft sind notwendig, damit unser Verbandsleben überhaupt funktionieren kann. Ohne diese Daten könnten keine Mitgliedsverwaltungen geführt, keine Ausstellungen organisiert, keine Ehrungen vorgenommen und keine Informationen an unsere Mitglieder weitergegeben werden.
Datenschutz bedeutet deshalb nicht, dass diese Daten nicht verarbeitet werden dürfen. Datenschutz bedeutet vielmehr, dass wir sorgfältig mit diesem Vertrauen umgehen.
Ehrenamt braucht Vertrauen
Unsere gesamte Organisation lebt vom Ehrenamt. Ob in den Ortsvereinen, Kreisverbänden, Bezirksverbänden, Landesverbänden, Clubs oder im Zentralverband. Überall engagieren sich Menschen freiwillig für unsere gemeinsame Sache. Sie investieren Zeit, übernehmen Verantwortung und sorgen dafür, dass unsere Veranstaltungen, Ausstellungen und Zuchtprogramme überhaupt möglich sind. Gerade deshalb darf Datenschutz niemals zum „Hemmschuh“ werden.
Ich sehe meine Aufgabe ausdrücklich nicht darin, engagierten Vorständen zusätzliche Hürden aufzubauen oder Fehler zu suchen. Ganz im Gegenteil. Mein Ziel ist es, Hilfestellung zu geben, Unsicherheiten abzubauen und gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln.
Denn eines ist ebenso klar. Auch wir als Verband unterliegen den geltenden Gesetzen. Diese können wir weder ignorieren noch nach Belieben auslegen. Unsere Aufgabe besteht vielmehr darin, die gesetzlichen Vorgaben mit den praktischen Anforderungen unseres Verbandslebens sinnvoll in Einklang zu bringen. Und genau daran möchte ich mitarbeiten.
Datenschutz und Vereinsarbeit schließen sich nicht aus
In vielen Gesprächen stelle ich fest, dass Datenschutz häufig strenger eingeschätzt wird, als er tatsächlich ist. Vereinsarbeit bleibt selbstverständlich möglich: Mitgliederlisten dürfen geführt, Ausstellungen organisiert, Siegerlisten veröffentlicht und Ehrungen vorgenommen werden. Entscheidend ist allein, dass personenbezogene Daten verantwortungsvoll und auf einer rechtlichen Grundlage verarbeitet werden.
Ein konkretes Beispiel zeigt, wie Datenschutz in der praktischen Verbandsarbeit verstanden werden muss. An mich wurde der Hinweis herangetragen, dass mit der Abgabe der Meldepapiere und der entsprechenden Unterschrift bislang auch die Veröffentlichung von Kontaktdaten im Ausstellungskatalog verbunden war. Dabei ging es ausdrücklich nicht um die namentliche Aufführung der Ausstellerinnen und Aussteller im Katalog. Der Name bleibt weiterhin Bestandteil des Ausstellungskatalogs. Das Anliegen bezog sich vielmehr auf die Veröffentlichung zusätzlicher Kontaktdaten, insbesondere Anschrift und Telefonnummer.
Nach der bisherigen Handhabung bestand hierfür jedoch keine gesonderte Auswahlmöglichkeit. Einzelne Ausstellerinnen und Aussteller wollten zwar selbstverständlich im Ausstellungskatalog mit ihrem Namen erscheinen, jedoch nicht zusätzlich mit Anschrift und Telefonnummer.
Dieses Anliegen habe ich sorgfältig geprüft, rechtlich bewertet und dem Präsidium anschließend in Form einer Stellungnahme bzw. Einschätzung vorgelegt. Ziel war es, keine unnötigen Hürden aufzubauen, sondern eine rechtssichere und zugleich praktikable Lösung für unsere Ausstellungen zu finden. Das Thema wurde unter anderem auch bei der letzten Bundestagung in Bayreuth erörtert. Im Ergebnis hat sich das Präsidium mit dem Softwarehersteller in Verbindung gesetzt. Dadurch konnte inzwischen eine technische Möglichkeit geschaffen werden, mit der Ausstellerinnen und Aussteller künftig freiwillig entscheiden können, ob ihre Kontaktdaten, also Anschrift und Telefonnummer, im Ausstellungskatalog veröffentlicht werden sollen.
Konkret bedeutet dies: Die namentliche Aufführung im Ausstellungskatalog bleibt hiervon unberührt. Zusätzlich erhalten Ausstellerinnen und Aussteller nun eine klare Einwilligungserklärung mit entsprechender Antwortmöglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Kontaktdaten. Damit ist transparent geregelt, ob eine Veröffentlichung von Anschrift und Telefonnummer im Katalog gewünscht ist oder nicht.
Ein entsprechender Hinweis sollte aus meiner Sicht auch bei den oftmals noch üblichen Papiermeldungen berücksichtigt werden, bevor es hier zu Rückfragen oder Unsicherheiten kommt. Als Formulierung empfehle ich beispielsweise:
„☐ Ich bin damit einverstanden, dass meine Anschrift und Telefonnummer im Ausstellungskatalog veröffentlicht werden.
Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass Datenschutz nicht bedeutet, Abläufe zu erschweren oder Ausstellungen zu verhindern. Vielmehr geht es darum, berechtigte Anliegen ernst zu nehmen, rechtliche Vorgaben sauber umzusetzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Züchter als auch unserem Verbandsleben gerecht werden. Zugleich kann diese Vorgehensweise auch anderen Ausstellungsleitungen als Orientierung dienen. Wer in seinen Meldeunterlagen klar regelt, welche personenbezogenen Daten veröffentlicht werden und hierfür eine eindeutige Einwilligungsmöglichkeit vorsieht, schafft Transparenz und erhöht zugleich die rechtliche Absicherung der Ausstellung.
Häufig reichen bereits kleine organisatorische Maßnahmen aus, um sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch den praktischen Bedürfnissen unseres Vereinslebens gerecht zu werden. Datenschutz verlangt keine Perfektion. Er verlangt Verantwortungsbewusstsein.
Datenschutz ist keine Kontrolle, sondern Unterstützung
Ich weiß, dass manche den Datenschutzbeauftragten zunächst mit Kontrolle oder Sanktionen verbinden. Dieses Bild möchte ich mit diesem Bericht ausdrücklich korrigieren. Meine Aufgabe besteht nicht darin, möglichst viele Fehler aufzudecken oder Vereine zu kritisieren.
Meine Aufgabe besteht vielmehr darin, Fragen zu beantworten, Unsicherheiten zu beseitigen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ich möchte Ansprechpartner sein, nicht Richter. Denn niemand kann erwarten, dass jeder Vereinsvorstand sämtliche Vorschriften der Datenschutz-Grundverordnung auswendig kennt. Dafür gibt es Datenschutzbeauftragte. Und genau dafür bin ich da.
Was ich mir für die Zukunft wünsche
Seit meinem Amtsantritt durfte ich bereits viele positive Entwicklungen erleben. Immer mehr Vereine suchen von sich aus den Kontakt, stellen Fragen oder möchten ihre Abläufe überprüfen lassen. Das zeigt mir, dass Datenschutz zunehmend als Chance verstanden wird. Natürlich gab und gibt es auch unterschiedliche Auffassungen oder kritische Diskussionen. Das ist völlig normal. Veränderungen brauchen Zeit. Entscheidend ist jedoch, dass wir miteinander sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn nur im offenen Dialog können Missverständnisse ausgeräumt und praktikable Wege gefunden werden.
Digitalisierung macht Datenschutz wichtiger denn je
Auch unser Verband entwickelt sich stetig weiter. Digitale Mitgliederverwaltung, Online-Anmeldungen zu Ausstellungen, Internetseiten, soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste gehören längst zum Vereinsalltag. Damit wachsen auch die Anforderungen an einen verantwortungsvollen Umgang mit personenbezogenen Daten. Gerade deshalb ist Datenschutz heute wichtiger denn je – nicht in erster Linie wegen neuer gesetzlicher Vorgaben, sondern weil Digitalisierung unser tägliches Leben und damit auch unsere Verbandsarbeit nachhaltig verändert hat.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Datenschutz funktioniert nicht durch Verbote. Er funktioniert durch gegenseitiges Vertrauen. Wenn Vorstände wissen, worauf sie achten müssen, wenn Mitglieder nachvollziehen können, warum bestimmte Regelungen notwendig sind, und wenn Fragen jederzeit offen gestellt werden dürfen, dann entsteht genau das, was wir in unserem Verband brauchen: Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen. Genau dieses Vertrauen möchte ich gemeinsam mit Euch zusammen weiter stärken.
Mein Angebot an alle Vereine und Verbände
Ich möchte den Datenschutz im ZDRK als Service verstehen, als Unterstützung, als Hilfestellung. Deshalb möchte ich alle Vereine, Kreisverbände und Landesverbände ermutigen, bei Fragen oder Unsicherheiten frühzeitig den Kontakt zu suchen. Ob direkt an mich als Datenschutzbeauftragten des ZDRK oder an den jeweils zuständigen Landes-Datenschutzbeauftragten.
Oft lässt sich bereits in einem kurzen Gespräch eine Lösung finden, bevor überhaupt Unsicherheiten entstehen. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass unsere Vereine rechtssicher arbeiten und sich unsere ehrenamtlich Engagierten auf das konzentrieren können, was ihnen am Herzen liegt, die Förderung der Rassekaninchenzucht und das lebendige Miteinander in unserem Verband.
Schlusswort
Unser Verband lebt seit vielen Jahrzehnten von Gemeinschaft, Vertrauen, gegenseitigem Respekt und dem außergewöhnlichen Engagement unzähliger Ehrenamtlicher. Genau diese Werte machen den ZDRK und seine Landesverbände aus. Datenschutz steht diesen Werten nicht entgegen, sondern er ergänzt sie. Denn wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, gehört auch der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten selbstverständlich dazu.
Ich wünsche mir deshalb, dass wir den Datenschutz künftig nicht als notwendiges Übel betrachten, sondern als Ausdruck eines respektvollen und modernen Miteinanders. Nicht jede Vorschrift wird auf den ersten Blick Begeisterung auslösen, doch jede Maßnahme verfolgt letztlich das Ziel, unsere Mitglieder zu schützen und unseren Verband mit seinen Untergliederungen rechtssicher für die Zukunft aufzustellen.
Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen. Geprägt von Offenheit, gegenseitigem Vertrauen und der Bereitschaft, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. Wenn wir Fragen frühzeitig aufgreifen und gemeinsam praktikable Lösungen entwickeln, wird deutlich, dass Datenschutz keine Hürde sein muss, sondern eine Chance für eine verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Verbandsarbeit sein kann. Denn am Ende verbindet uns alle weit mehr als uns voneinander trennt. Die gemeinsame Leidenschaft für die Rassekaninchenzucht, das außergewöhnliche Engagement im Ehrenamt und der Wunsch, unseren Zentralverband, unsere Landesverbände, Kreisverbände, Bezirksverbände, Ortsvereine sowie Clubs auch für kommende Generationen als starke, moderne und vertrauenswürdige Gemeinschaft zu erhalten. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit Euch zu gehen und unseren Verband auf diesem Gebiet aktiv und partnerschaftlich zu begleiten.
Sebastian Lux, Datenschutzbeauftragter des ZDRK
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des ZDRK: Start | ZDRK