Futterkohlrabi selbst anbauen
Eine ausgewogene Fütterung unserer Kaninchen spielt nicht nur in Zeiten seuchenhafter Darmerkrankungen und der damit verbundenen Verlustraten bei Jung- und Alttieren eine große Rolle, sondern das ganze Jahr über. Wer die Möglichkeit hat, der nutzt dafür auch gern selbst erzeugtes Grob- oder Beifutter wie Grünes, Hackfrüchte und natürlich Heu. Bei den Hackfrüchten gehört der Kohlrabi wegen seiner Inhaltsstoffe zu den besonders wertvollen Futterarten für unsere Kaninchen. Zudem ist Futterkohlrabi wegen seines Geschmacks bei den Kaninchen sehr beliebt. Im Jahresverlauf und besonders im Herbst sind die nahrhaften saftigen Blätter des Kohlrabis sehr begehrt bei Jung- und Alttieren. Dabei lässt sich Kohlrabi gut mit anderen Wurzelfrüchten wie Möhren, Futterkartoffeln und Runkelrüben kombinieren und sorgt damit im Futternapf für ständige Abwechslung.
Ich baue Kohlrabis schon seit Langem an. Dabei will ich auch nicht verschweigen, dass meine Frau aus manchem der oberen sehr zarten und saftigen Kopfteile der großen Futterkohlrabi gern in der Küche schmackhafte Gemüsebeilagen zubereitet.
Der Futterkohlrabi und seine Qualitäten
Der Kohlrabi gehört zu den Kreuzblütlern. Frühe Sorten sind wegen ihrer kurzen Kulturdauer von nur sieben bis acht Wochen schnellwüchsig und zuerst erntereif unter den Gemüsearten. Futterkohlrabi benötigt zur Entwicklung seiner stattlichen Größe und eines Endgewichts von bis zu zehn Kilogramm entsprechend etwas mehr Zeit.
Von allen für die Fütterung verwendeten Hackfrüchten besitzt der Kohlrabi die meisten und wertvollsten Inhaltsstoffe. Dazu gehören die Vitamine B, C und Karotin. Weiterhin enthält er die Mengenelemente Kalium, Kalzium und Magnesium sowie Eiweiße, Ballaststoffe und Senföle. Mit seinem relativ hohen Wassergehalt und den sehr niedrigen Energiewerten ist er zudem sehr bekömmlich und leicht verdaulich.
Standortbedingungen für Saat und Wachstum
Kohlrabi benötigt tiefgründige, humushaltige Böden mit gutem Wasserhaltevermögen. Letzteres ist besonders wichtig für ein optimales Wachstum der Knolle sowie zum Vermeiden des Platzens der Knolle und des Verholzens.
Wer seine Pflanzen im Gewächshaus oder im Frühbeet selbst heranziehen möchte, um sie anschließend ins Freiland auszupflanzen, beachte dabei die folgende Zeittabelle für alle Kohlrabisorten.
- Aussaat: Mitte Februar und Mitte Juni
- Pflanzung: Mitte März und Mitte Juli
- Ernte: Mitte Mai und Mitte Oktober.
Der etwas frühe letzte Erntetermin ist notwendig, da die üblichen Kohlrabisorten sehr dünnschalig und damit frostgefährdet sind. Ältere Züchter werden noch die Sorte „Böhmischer Strunk“ mit ihrer flaschenartigen Form kennen. Sie hatte eine sehr dicke Schale und damit eine entsprechende Frosthärte von bis zu minus fünf Grad Cesius. Doch diese Sorte entspricht nicht mehr den heutigen Verbraucherwünschen, und das Saatgut dürfte nur noch bei vereinzelten Hobbygärtnern im böhmischen Ursprungsgebiet anzutreffen sein.
Kohlrabi benötigt einen sehr nährstoffhaltigen, tiefgründigen und warmen Boden. Abgelagerter Kaninchendung sollte bereits im Herbst eingebracht werden. Kohlrabi hat einen ständigen Bedarf an Stickstoff und Kali, sodass monatlich im Wurzelbereich eine Kopfdüngung angebracht ist. Ebenso wichtig ist die ständige Wasserversorgung der Pflanzen, vor allem bei trockenem Wetter oder etwas leichten, durchlässigen Böden.
Die jungen Pflanzen der langsamer wachsenden Futterkohlrabi-Sorten „Gigant“, „Superschmelz“ und der neueren Sorte „Kossak“ verlangen einen Pflanzabstand von 45 mal 45 Zentimetern. Nach einer Standzeit von 90 bis 120 Tagen kann dann geerntet werden.
Für etwa 25 Cent pro Jungpflanze kann man beim Gärtner kräftiges Pflanzgut kaufen.
Kohlrabipflanzen vertragen sich als Nachbarn oder in anfänglicher Mischbepflanzung gut mit Bohnen, Erbsen (beide Stickstofferzeuger!), Frühkartoffeln, Kopfsalat, Lauch, Radieschen, Rote Bete, Sellerie und Tomaten. Die Pflanznähe zu Fenchel, Knoblauch und Zwiebeln sollte man vermeiden.
Pflanzenschutz Kohlrabi
Außer den bereits genannten Erkrankungen wie Platzen und Holzigwerden kann die Kohlrabipflanze von parasitären Krankheiten und Schädlingen befallen werden. Die Kohlhernie mit ihren typischen Wucherungen an der Wurzel ist in jedem Fall das Ergebnis einer zu raschen Fruchtfolge von Kohlgewächsen auf gleichen Anbauflächen. Auf eine drei- bis vierjährige Pause ist unbedingt zu achten.
Besonders in warmen, trocke-nen Sommern können verstärkt die mehligen Kohlblattläuse auftreten. Bevor man hier zu nachhaltigen Pflanzenschutzmitteln greift, sollte man es mit der Verwendung von Kulturschutznetzen versuchen.
Auch die bekannten Raupen der Kohlweißlinge müssen rechtzeitig abgelesen werden, um größere Schäden an den Blättern zu vermeiden.
Ernte und Lagerung
Zuerst erntet man beim Futterkohlrabi gegen Vegetationsende nach und nach die Blätter vom Boden her. Später werden, je nach Wetterlage, die Kohlrabis ohne Blätter mit Wurzeln geerntet, die ich zur weiteren Reifung in Erde einschlage. Kurz vor Beginn der ersten Nachtfröste decke ich die Knollen vorsorglich mit einer Schutzplane ab und richte ein Winterlager zwischen Strohschichten im frostfreien Lagerraum ein. Man kann den Kohlrabi aber auch ähnlich wie Möhren in feuchtem Sand einlagern. Bei einer Temperatur von 0,5 bis 1 °C und 90 Prozent Luftfeuchte lässt sich Kohlrabi vier bis fünf Monate gut lagern. Ist die Umluft wärmer und trockener, beträgt die Haltbarkeit nur etwa sechs bis acht Wochen.
Fazit
Der Kohlrabi im Allgemeinen und der Futterkohlrabi im Besonderen wird in seiner Wertigkeit immer noch unterschätzt. Sicherlich bedeutet der Anbau von Kohlrabi Arbeit, doch die Vorteile sind nicht zu unterschätzen. Wer selbst nicht die Möglichkeit für den Eigenanbau hat, der kann das Gemüse sicherlich auch beim Futterhandel erwerben. Es ist allerdings ein wenig teurer als Futterrüben. Vom Nutzen des „Gigant“ oder des neuen Kohlrabistars „Kossak“ kann man sich ja selbst einmal überzeugen! Ich hoffe, ich konnte mit meinen Ausführungen dem einen oder anderen Züchter Anregungen geben.
Autor: Lothar Thormann