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Richtige Schutzzäune für Freilandkaninchen

Der Einsatz eines Strom führenden Weidezauns zum Schutz von Kaninchen, also zur Absicherung eines Freilandgeheges, wird noch immer eher kritisch gesehen. Das mag mitunter daran liegen, dass es bis dato kaum handfeste Erfahrungswerte über dauerhaft, also stationär eingerichtete Elektro-Weidezäune gibt. Die bisher derart entwickelten elektrischen Zäune sollen in erster Linie Wildkaninchen von landwirtschaftlich bestellten Flächen fernhalten. Und handelsübliche Weidezäune sind meist zu weitmaschig bzw. zu niedrig für die Haltung von Freilandkaninchen in einem individuell begrenzten Gebiet. Bis dato gibt es tatsächlich keinen speziell für Hauskaninchen konzipierten Elektro-Schutzzaun. Doch das soll sich jetzt ändern.

Die Firma horizont wird ab dem kommendem Jahr ein 25 bzw. 50 m langes Weidenetz mit 165 cm hohen Doppelspitzpfählen anbieten, das speziell zum Schutz frei laufender Kaninchen entwickelt, getestet und optimiert wurde. Die Maschendichte des Kaninchen-Weidezauns beträgt im unteren Drittel 5 x 5 cm, wodurch die Gefahren des Durchschlüpfens und Durchspringens weitestgehend minimiert werden. Die nicht Strom führende Bodenlitze ist mit einem Verbiss-Schutz ausgestattet. Das Weidenetz passt sich mit seiner dunkelgrünen Farbe der Gartenlandschaft optisch an. Es ist von seiner gesamten Beschaffenheit in erster Linie zur permanenten Installation konzipiert. Der neu entwickelte Weidezaun wird also voraussichtlich ab 2011 über den landwirtschaftlichen Fachhandel erhältlich sein. Die horizont-Fachhändler sind im Internet abrufbar.

So wird erstmalig allen Kleintierhaltern ein möglichst effektiver Schutzzaun zur Verfügung stehen und dadurch in vielen Fällen eine individuelle, ständige und auch flexible großräumige Freilandhaltung der Kaninchen möglich und vertretbar sein. Trotzdem: Die Kaninchenhaltung mit Einsatz eines Elektro-Weidezauns – auch die (Groß-)Gruppenfreilaufhaltung von Kaninchen an sich – ist absolut kein Kinderspiel!

Jedes Strom führende Netz stellt selbst bei geringer Spannung immer eine gewisse Gefahrenquelle dar. Durchhängende, schlaffe sowie auf der Erde aufliegende (Strom-) Netze können den eingesetzten Kaninchen von innen, Wildtieren von außen und im Extremfall sogar dem Menschen zum Verhängnis werden, wenn sich diese darin unglücklich verfangen und unweigerlich dauerhaft den Stromimpulsen ausgeliefert sind. Falsch oder nachlässig installierte Elektrozäune, nicht oder kaum beaufsichtigte Zaunsysteme, insbesondere über Nacht Strom führende Weidezaunnetze, können vor allem auch für nacht -aktive Wildtiere (Igel, Kröten etc.) zur Todesfalle werden. Bei Weidewechselhaltung im Außenbereich kommt es zwangsläufig vor, dass der Elektrozaun ganz unbeabsichtigt auch „Wildwechsel-Strecken“ oder Wildtierreviere kreuzt. Wenn die Zaunposition alle paar Tage verändert wird, haben nächtlich herumstreifende Tiere zudem nicht einmal die Chance, sich rechtzeitig mit dieser Gefahrenquelle vertraut zu machen.

Betreiber von Elektrozaunanlagen sind aus gesetzlich definierten Sicherheitsgründen verpflichtet, die Zaunabschnitte, die an öffentlich frei zugängliche Verkehrsflächen angrenzen, mit einschlägigen Warnschildern zu versehen, um auf die Gefahr der Stromspannung hinzuweisen. Innerhalb eines befriedeten Privatbesitztums sind keine Warnschilder erforderlich.

 

Was sollte der Weidezaun-Betreiber beachten?

Wird ein Elektro-Weidezaun erstmalig aufgebaut, sollte dieser als „Gefahrenquelle“ und „Reviergrenze“ bei allen Kaninchen, allen voran bei den erwachsenen Leittieren, sehr behutsam eingeführt werden. Idealerweise schauen die tierischen Gruppenführer während des Aufbaus zu und können somit die Veränderung in ihrem Revier wahrnehmen. Ist der Weidezaun vollständig aufgerollt, aufgestellt und an den Stromimpulsgeber angeschlossen, muss den Tieren unter Aufsicht des menschlichen Betreuers ausgiebig Gelegenheit gegeben werden, die neue „Grenze“ in ihrem Revier zu inspizieren.

Es kann natürlich trotz aller gutmeinenden Warnpfiffe seitens des fürsorglichen Halters zu einer unangenehmen Zaunberührung kommen. Durch ihr dichtes Fell spüren Kaninchen den Stromimpuls an vielen Körperstellen aber gar nicht oder nur in sehr abgeschwächter Form, weshalb ihnen die neue Eingrenzung in den meisten Fällen zunächst gar nicht bedrohlich erscheint. So kommt es durchaus vor, dass Kaninchen direkt am Strom führenden Zaun sitzen, ohne etwas davon zu spüren. Auch die relativ trockene, behaarte Kaninchennase ist wenig leitend. Dann blitzelt es aber zuweilen doch irgendwann einmal, und der Schreck ist groß –im Idealfall hechtet das betroffene Kaninchen panisch vom Zaun weg und hat ab diesem Zeitpunkt die eben erfahrene Gefahrenquelle als solche erkannt.

In Einzelfällen kann es bei der Einführung eines Elektro-Weidezauns vorkommen, dass ein Kaninchen völlig irritiert und kopflos die Flucht nach vorne antritt und sich mit einem Bein, schlimmstenfalls gar mit dem Kopf im Zaun verfängt. Solche „Unfälle“ passieren, wenn Kaninchen ohne Eingewöhnungszeit einfach in ein fremdes Weidezaun-Gebiet eingesetzt werden, wenn ständig Weidewechsel betrieben wird und vor allem, wenn die Weidezäune zudem nicht straff gespannt in der Landschaft stehen. In den ersten Stunden oder auch Tagen der Eingewöhnung muss der Kaninchenbetreuer deshalb in der Nähe bleiben und bei einem solch unglücklichen Notfall sofort den Strom abstellen, um dann sein Tier aus dessen misslicher Lage zu befreien.

Danach aber sollte der Strom umgehend wieder eingeschaltet sein. Ist der Zaun während der Freilaufzeiten das eine Mal aus-, das andere Mal wieder eingeschaltet, funktioniert das Abschreckungsprinzip nämlich nicht mehr. Solche Inkonsequenz seitens des Halters verleitet Kaninchen dazu, immer wieder zu testen und den womöglich nicht Strom führenden Zaun dann natürlich auch zu berühren bzw. sogar zu bearbeiten. Ziel ist es jedoch, dass die Tiere den Zaun als Gefahr begreifen. Nach der Eingewöhnungszeit halten Kaninchen dann erfahrungsgemäß gebührend Abstand vom Elektrozaun und prägen sich exakt ein, wo die „magische Landesgrenze“ verläuft.

Das konstante, je nach Luftfeuchtigkeit und Bewuchs für Menschen kaum bis einigermaßen deutlich hörbare Knistern der Stromkurzschlussbrücken an den Grashalmen bei angelegter Spannung signalisiert auch den Kaninchen und anderen Tieren, dass der Zaun unter Strom steht. Die Stromspannung sollte beim „Hobby-Elektrozaun“ so niedrig wie möglich und so stark wie jeweils nötig gewählt werden. Für eine Fläche von bis zu 1000 m² ist ein Stromimpulsgeber mit 0,7 Joule ausreichend, wie z.B. der hobbygard N der Firma horizont, der übrigens auch umwelt- und auf längere Sicht kostenfreundlich mit einem Solarmodul betrieben werden kann.

 

Häufige Fehler bei Installation und Betrieb eines Weidezaunsystems

  • zu kleines Freigelände
  • ständiger Weidewechsel (Revierwechsel)
  • keine zentrale, fest stehende Zufluchtsmöglichkeit („Höhle“) innerhalb der Weidefläche
  • Weidezaunsysteme von schlechter Qualität (die in online-shops mit „für Kaninchenhaltung geeignet“ billig angeboten werden)
  • zu weitmaschiges Zaungeflecht (z.B. Verwendung von Netzen für Schafe oder Ziegen)
  • unzureichende Verankerung der nicht Strom führenden Bodenlitze im Erdreich (keine, zu wenig oder falsch gesetzte Heringe)
  • durchhängendes, auf dem Boden aufliegendes Netz (Hängematteneffekt am Boden)
  • zu geringer Pfahlabstand (Hängematteneffekt in der Luft)
  • zu hohe oder zu geringe Stromstärke im Verhältnis zur Zaunlänge (Fachberatung ist dringend erforderlich!)
  • mangelhafte Erdung des Zaunsystems
  • Elektrozaun als Trennung zwischen rivalisierenden Gruppen oder zwischen Kaninchen, die unbedingt zueinander wollen (Rammler in Riechweite der Damen)

 

Wie groß sollte eine Weidefläche sein?

Die in Fachkreisen geltenden Mindestmaße für die Volierenhaltung von 2 bis 3 m² pro Tier sind an sich schon bei vielen Gruppenkonstellationen äußerst riskant. – Gruppen-freilauf auf sehr begrenztem Raum ohne reelle Ausweich- bzw. Abwanderungsmöglichkeiten bleibt auch bei Kleinstgruppen von kastrierten Kaninchen nicht ohne Verletzungsrisiko. Selbst ganz gewöhnliche Sprints und Verfolgungsjagden bei Konflikten zwecks Stressabbau oder aufgrund handfester Rangordnungskabbeleien und blitzschnelle Fluchtreaktionen enden in solchermaßen, häufig umfangreich strukturierten „Wohnimmobilien für verwöhnte Langohren“ mit einem dumpfen Aufprall am Maschendraht oder (schlimmer noch) an einem scharfkantigen Inventarteil.

Die Erfahrungen zeigen recht deutlich: Eine mit Elektrozaun eingegrenzte Freilauffläche muss schon allein wegen des spontanen Sozialverhaltens so groß sein, dass sich die Kaninchen blitzschnell ausdem Weg gehen und zwei Kontrahenten auf freier Fläche auch einmal einen Kampf ausfechten können, ohne gleich gegen eine gefährliche Abgrenzung zu stoßen. Erfahrungsgemäß bedarf ein Kaninchen gut 5 bis 10 m Platz fürs schnelle Ausweichen, um im Konfliktfall dem Dominanten seine Unterlegenheit zu zeigen. Nach einigen Stunden Abstand und sich „aus den Augen“ und „aus der Nase“ gehen kehrt zumeist wieder Ruhe ein.

Reale oder aus Kaninchensicht gefühlte Gefahren außerhalb des Weidezauns führen ebenfalls zu eiligen Fluchtreaktionen. Jedes einzelne Kaninchen sucht dann sofort blitzschnell für sich den nächsten Unterschlupf, harrt dort aus bzw. peilt mittelfristig über einen vertrauten Fluchtweg den Eingang zur sicheren Höhle an. Darum ist es für die scheuen, schreckhaften Kaninchen sehr wichtig, dass sie in einem langzeitlich vertrauten Revier mit einer zentralen „Höhle“ leben können. Variable Schutzhütten oder steter Weidewechsel entsprechen nicht ihrer Natur. Dies gilt freilich nicht für reine Käfig- und Wohnungskaninchen, die ab und an bei Schönwetter auf die Wiese gesetzt werden. Solche Tiere haben ganz offensichtlich eine herabgesetzte Fluchtbereitschaft sowie ein kaum mehr taugliches Schutz- und Verteidigungsverhalten.

Absolut problematisch ist jegliches Schreckpotenzial innerhalb des Kaninchenreviers, das vielfach sogar vom Halter selbst, dessen Besuchern oder von anderen Haustieren ausgeht. Wütet etwa der Nachbarshund oder eine Katze innerhalb des Territoriums oder gar der „Kaninchenhöhle“, suchen die Fluchttiere irritiert bis völlig kopflos das Weite. Dieselbe Problematik ergibt sich auch bei ungünstigen Gruppenkonstellationen, bei denen einzelne Tiere immer wieder vehement aus der Höhle und schlimmstenfalls aus dem gesamten Revier vertrieben werden. Je kleiner das eingezäunte Gelände, desto größer ist folglich auch die Gefahr, dass Fluchtversuche im Elektrozaun enden.

Die mit einem Elektro-Weidezaun eingegrenzte Freifläche für eine Hauskaninchengruppe sollte daher 300 m² nicht unterschreiten. Und selbst wenn es sich „nur“ um den Freilauf einer friedlichen Mutter-Kind-Gruppe oder um ein paar Kastraten handelt, bedürfen Kaninchen im Freigelände ausreichend Platz, um im „Erschreckungsfall“ die instinktiven Fluchtreflexe ohne größere Verletzungsgefahr realisieren zu können.

Der eigenständige Zugang zur Natur eröffnet den Kaninchen zumindest im Sommer eine freie Auswahl verschiedener Futterpflanzen. Das großzügige Angebot der Natur steigert die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Tiere ganz beträchtlich. Doch als alleinige Frischfuttergrundlage für eine familiäre Kaninchengruppe von vier bis acht erwachsenen Tieren mit deren Nachwuchs wäre eine Wiesenfläche von 300 m² noch nicht ganz ausreichend.

Um in einem dauerhaft angelegten Gartenrevier also eine Überweidung, Kahlfraß und auch Krankheiten zu vermeiden, wird der fürsorgliche Kaninchenfreund während der gesamten Vegetationsperiode wohl weiterhin früh morgens mit der Sense hinausziehen müssen, um täglich knackfrisches Wiesengrün und auch allerlei Geäst mit Blattwerk herbeizuschaffen, das den Tieren dann zum sauberen Verzehr an einem kühlen, geschützten Ort innerhalb des Geheges angeboten wird.

 

Nicht alle Kaninchen sind für die offene Freilandhaltung geeignet!

Freilandkaninchen sollten gesund, ihre Fellqualität mit der eines Wildkaninchens vergleichbar sein. Hohe Jungtiersterblichkeitsraten weit über 50 % im Rahmen von wissenschaftlich begleiteten Freilandhaltungen führen wohl alle fürsorglichen Hauskaninchenhalter zur Einsicht: „Jungtiere unter fünf Wochen haben grundsätzlich nichts im offenen Freiland zu suchen – bei nassem Wetter erst recht nicht!“ Die Gefahr von Kokzidiose, Erfrieren, Erkälten, Vergiftungen sowie Übergriffen von Beutegreifern, insbesondere aus der Luft, ist für Kaninchenkleinkinder im Freien zu groß. Doch es gibt zudem viele erwachsene Kaninchen, die in reiner Innenhaltung besser aufgehoben sind, so etwa:
  • kranke Kaninchen, für die der enge Kontakt zum Menschen wichtig ist
  • Tiere mit nässenden Wunde, Ausfluss oder Darmproblemen, denn sie sind im Sommer durch Fliegen(-maden)befall gefährdet,
  • Zwergkaninchen, die ideal ins Beuteschema von Greifvögeln und anderen Raubtieren passen,
  • Kaninchen(-rassen), die kein „wetterfestes“ Fell haben, deren Haarkleid etwa sehr lang ist. Solche Kaninchen haben bei dauerhafter Außenhaltung verstärkt Probleme mit Erkältungen, Lungenentzündung, Parasitenbefall, Verfilzung und Verschmutzung,
  • (Rasse-)Kaninchen, bei denen die planmäßige Zucht die Gruppenhaltung bzw. eine Kastration verbietet.

 

Abschreckungsprinzip

Elektrozäune funktionieren nach dem Prinzip der Abschreckung. Obwohl Kaninchen und viele andere Tiere vielfach höher springen können, als manche Weidezäune hoch sind, wagt selten ein Tier den Versuch, darüber hinweg zu springen. Über Mauern und Holzrahmengestelle springen Raubtiere wie Kaninchen dagegen ohne Probleme und hangeln sich selbst über 2 m hohe Absperrungen.

Anders scheint das offensichtlich bei einem senkrecht stehenden Netz, dessen eigentliche Höhe vom Boden aus für die meisten Kleintiere zunächst einmal schwer einschätzbar ist. So ein Netz hat auch oben keine feste „Zwischenlandefläche“, die von den Springern aus dem Stand angepeilt werden kann. Die befremdliche dünne „Grenze“ wird also zunächst einmal mit der Nase erkundet. Und auch wenn die Spannung bei unserem „Hobby-Weidezaun“ eigentlich sehr gering ist, kommt es zumindest für alle empfindlichen feuchten Nasen (von Hund, Katze, Fuchs, Marder, Wiesel, Ratte, Dachs, Igel) zu einem unangenehmen Bitzeln.

Ein streunender Hund, der unsere Kaninchen entdeckt hatte und sich dann am Zaun zu schaffen machen wollte, heulte bei der ersten Zaunberührung jämmerlich auf, schoss wie ein Blitz davon und wurde fortan nie wieder in der Nähe des Gartens gesehen. Darum haben wir unseren Elektrozaun auch selbst am eigenen Leib getestet: Mit einem dicken Wollpulli lehnten wir uns zunächst gemütlich an den Elektrozaun, ohne etwas zu verspüren, also ganz so, als würde ein Schaf oder ein Kaninchen mit der Seite oder dem Hintern direkt am Zaun sitzen. Ein anderes Mal berührten wir mit der bloßen Hand das Netz, nachdem es geregnet hatte, und das tat dann fast weh.

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