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Dicke Luft im Kaninchenstall

Das Wohlbefinden unserer Kaninchen wird nicht nur von der Art und Größe der Stallboxen oder vom Futter bestimmt und ist nicht im vorherrschenden Umweltklima zu suchen. Das spezielle Stallklima mit seinen Komponenten wird oft etwas vernachlässigt, weil man sich als Züchter mit der Zeit an die herrschenden Verhältnisse gewöhnt. Und das ist nicht immer zum Vorteil für Mensch und Tier.

Im Laufe der Zeit habe ich mir zu diesem Thema viele Notizen gemacht. Diese stammen aus Züchtergesprächen, Fachvorträgen oder Buchlesungen mit anschließender Diskussion. Häufig auftretende Fragen habe ich hier zusammengetragen und möchte so den einen oder anderen Züchter dazu anregen, seine eigene Stallanlage kritisch zu hinterfragen und sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.

Was versteht man unter Stallklima?

Als Stallklima bezeichnet man zahlreiche meteorologische Elemente, die sich in ihrer Wirkung auf den tierischen Organismus gegenseitig beeinflussen können.

Dazu zählen die Lufttemperatur, die Luftfeuchte, der Wind (Luftgeschwindigkeit) und die Sonneneinstrahlung bzw. das Licht allgemein. Das Stallklima wird zusätzlich durch Bestandteile aus Schadstoffen und Gasen beeinflusst, die direkt oder indirekt dem tierischen Stoffwechsel entstammen können oder von außen in den Stall hineingetragen werden.

Betrifft das Stallklima die Innen- und Außenställe gleichermaßen?

Das Stallklima in Innenställen mit ihren größenmäßig begrenzten Stallboxen und anderen baulichen Gegebenheiten hat direkte Auswirkungen auf das Wohlbefinden unserer Kaninchen. Wir Züchter können und sollten hierauf achten und die entsprechenden Maßnahmen zur Klimaverbesserung durchführen.

Das Klima der Außenställe wird vorwiegend durch Wettereinflüsse bestimmt. Der Züchter kann es aber durch verschiedene Aktivitäten beeinflussen.

Welches Stallklima benötigen unsere Kaninchen?

Verschiedene Fachleute machen Angaben zu Klimawerten für unsere Hauskaninchen. Praktische Erfahrungen am Stall bestätigen die Kennwerte.

Nachfolgend werden die wichtigsten Daten eines verträglichen Stallklimas für den „Hausgebrauch“ in der Zuchtpraxis zusammengefasst:

Lufttemperatur

  • Minimaltemperatur in der Zuchtbox mit geschlossenem Wurfkasten: 5 °C
  • Maximaltemperatur: 25 °C
  • Jungtiere bei Einstreuhaltung in den ersten zwei Wochen: 15 °C
  • in der folgenden Zeit: 10 °C
  • Angorakaninchen nach der Schur: 15 °C

Die Umgebungstemperatur hat Einfluss auf den Energiestoffwechsel der Tiere. Bekannt ist, dass unsere Kaninchen eher Kälte vertragen als warme Umluft, dazu mit relativ hohem Feuchtegehalt. Bei Jungtieren ist anfangs der Wärmebedarf höher als bei Alttieren.

In Außenställen sind Temperaturschwankungen höher als in geschützten Innenställen. Aber auch dort hat sich bei Winterzucht das Aufstellen von Warmlufterzeugern bewährt. Die teilweise sehr hohen Verluste an neugeborenen Kaninchen in der Kälteperiode des Februars 2012 sind Anlass genug, diesen Klimafaktor ständig zu beachten.

Luftfeuchtigkeit
Für alle Tiergruppen jedes Alters bei Kaninchen sollte der Feuchtegehalt der Luft auf Dauer den Bereich von 50 – 70 % nicht überschreiten. Erhöhter Feuchtegehalt der Luft ist ein zusätzlicher Nährboden für Krankheitserreger. Fällt die relative Luftfeuchtigkeit über längere Zeit unter 40 %, kommt es zu Staubbildung mit ihren nachteiligen Folgen in Ställen.

Stallbelüftung
Luftmenge: je Kilo Lebendgewicht der Kaninchen und Stunde

  • im Sommer: 2–3 m³
  • im Winter: 0,6 m³
  • Luftgeschwindigkeit: im Tierbereich maximal 0,2 m/s

Horizontale Luftbewegung wird als Wind empfunden. Kaninchen reagieren empfindlich auf derartige Klimaumstände. Zu hohe Luftbewegung mindert insbesondere in Zuchtställen mit Wurfabteilen die anfangs erforderliche Raumtemperatur mit Nestern und jungen Würfen. Stallbelüftung und Temperatur sind immer als ein einheitlicher Klimafaktor zu betrachten.

Beleuchtung mit Tages- oder Kunstlicht
Beleuchtungsdauer und Beleuchtungsstärke:

  • Zuchttiere und Masttiere ganzjährig gleichbleibend: 8 – 16 h
  • Zuchttiere: 30 – 40 lx
  • Masttiere: 15 – 20 lx

Bezüglich der Stallbeleuchtung gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen. Weit verbreitet ist die Ansicht, Kaninchen seien dämmerungsaktiv und bedürften hinsichtlich des Lichtes keiner besonderen Fürsorge. Auch Kunstlicht sei außerhalb von Versorgungszeiten nicht notwendig.

Oft klagen Zuchtfreunde, dass die Häsinnnen und auch die Rammler wenig Bereitschaft zum Decken zeigen. Abgesehen von der Fütterung trifft man in solchen Fällen dann oft auf Mängel im Stallklima, z.B. auf enge, unzureichend belüftete, düstere Stallräume innen. Ordentliche Lichtquellen zu oben angegebenen Zeiten können hierbei Abhilfe schaffen!

Wissenschaftler haben auch bei anderen Nutztierarten festgestellt, dass nicht nur das UV-haltige Tageslicht die Fruchtbarkeit, Geschlechtsaktivität und andere Körperfunktionen positiv beeinflusst –auch Kunstlicht ist wichtig.

Schadgaskonzentration Grenzwerte für unsere Kaninchen:

  • Ammoniak (NH3): 10 ppm
  • Kohlendioxid (CO2): 3 500 ppm
  • Schwefelwasserstoff (H2S): 10 ppm Die Mengeneinheit ppm bedeutet: Stoffkonzentration 1 mg/kg.

Ammoniak (NH3) entsteht im Stall durch Zersetzung stickstoffhaltiger Stoffe. Das betrifft insbesondere die Ausscheidungen der Kaninchen in Form von Kot und Urin. Je länger diese Exkremente in der Stallbucht oder im Stallraum verbleiben, mit Einstreu und Futterresten zu Mist werden und noch Wärme und Feuchtigkeit hinzukommen, umso stärker bildet sich dieses Schadgas.

Die Kaninchen und auch der Züchter nehmen die auf Schleimhäute ätzend wirkende Gashaltigkeit der Umluft bei Ammoniak deutlich wahr und werden damit mehr oder weniger stark belastet. Das Schadgas NH3 kann sowohl Atemwege als auch die Augenbindehaut schädigen. Es kann zu verminderter Futteraufnahme und zur Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Kaninchen kommen.

Kohlendioxid (CO2) entsteht im Stall durch technische und biologische Verbrennungsprozesse. Dazu zählen u.a. die Ausatemluft von Mensch und Tier sowie CO2 durch Gärungs- und Fäulnisprozesse. Kohlendioxidgas kann in hoher Konzentration von Fressunlust bis hin zu Schädigung der gesamten Körperfunktionen führen.

Schwefelwasserstoff (H2S) verbreitet den Geruch fauler Eier und entsteht bei Zersetzung schwefelhaltiger Materialien wie Proteinen (Eiweißen). Beim Bewegen oder Umrühren von Jauche (Gülle) wird dieses giftige Schadgas freigesetzt. H2S beeinträchtigt das Atemzentrum, führt zu Schwindel, Atemnot und Erregungszuständen.

Lärm
Laute Geräusche, z.B. im Zusammenhang mit dem Transport in Fahrzeugen, aber auch andere Lärmquellen im Stall oder in der Umgebung belasten Kaninchen erheblich, da sie mit ihren rundum beweglichen Ohrmuscheln sehr aufnahmefähig sind. Unsere Tiere besitzen eine zehnmal größere Hörempfindlichkeit als der Mensch!

Kann man das Stallklima messen?

Ja, mit relativ einfachen Mitteln, was Temperatur und Luftfeuchtigkeit betrifft. In jedem Stall sollten deshalb Thermometer und Hygrometer leicht ablesbar angebracht sein. Achtung! Billigprodukte zeigen oft falsche bzw. ungenaue Werte an. Schwieriger ist es bei der Messung der Luftgeschwindigkeit und bei Schadgasen. Entsprechende Messgeräte sind teuer. Wenn überhaupt, dann erscheint mir eine gemeinschaftliche Anschaffung und Nutzung im Verein am sinnvollsten. Die Leuchtkraft der Lampen misst man in Lux (lx). Durch die Anzahl der Lichtquellen bzw. ihre Stärke kann man dem Bedarf eines Stallraumes entsprechen. Tagsüber und je nach Jahreszeit spielen hier auch Anzahl und Größe der Stallfenster bei Innenställen eine Rolle.

Wetterprognosen des Deutschen Wetterdienstes sind ebenfalls zu beachten, da das Wetter besonders auf frei stehende Außenställe direkten Einfluss hat.

Wo und wann gibt es Probleme mit „dicker Luft“?

In kleinen Stallräumen mit verhältnismäßig vielen Boxen und engen Arbeitsgängen entsteht häufig feuchte und mit Schadgasen versetzte Umluft.

Ich kenne aber auch Stallanlagen, die auf den ersten Blick geräumig und ansehnlich sind, jedoch wenige Möglichkeiten der Ent-und Belüftung besitzen. Hinzu kommt eine große Anzahl Boxen in vier übereinanderliegenden Reihen. Bei schwülem Außenwetter und reichlicher, aber nicht mehr frischer Einstreu in den Boxen können insbesondere große und schwere Rassen durch stickige, warme, mit Stallgerüchen vermischte Luft belastet werden.

Ställe, die dann aus Zeitgründen nur einmal täglich aufgesucht werden, sind nicht nur Brutstätten von allerlei Ungeziefer. Die Kaninchen zeigen die hohe Belastung durch derartige Verhältnisse in ihrem Verhalten: hohe Atemfolge und geringere Futteraufnahme bei sinkender Körperleistung. Alarmzeichen sind Speichelabsonderung in der Maul-Brust-Partie bei vorwiegend liegender Körperhaltung! In der Folge kann es zu Hitzschlägen mit Kreislaufzusammenbruch und dem Verenden des Kaninchens kommen. Erwähnen muss man leider immer wieder auch den teilweise unsachgemäßen Tiertransport zu den Sommerausstellungen. In Transportkisten steigert sich das Innenklima, begünstigt durch feuchtheißes Wetter, in einen für die Tiere unerträglichen Zustand, dem sie relativ schnell zum Opfer fallen können.

Können wir Schadgase vermeiden?

Schadgase lassen sich nicht vollständig vermeiden. Ihre Konzentration in der Stallumluft können wir jedoch spürbar herabsetzen. Da unsere Hobby-Kaninchenzuchten im Vergleich zu intensiven Kaninchenhaltungen einen weitaus geringeren Umfang besitzen, ist das Auftreten von Schadgasen auch leichter überschaubar. Durch grundlegende Stallhygiene über das gesamte Zuchtjahr hinweg können wir nicht nur Krankheitserreger erfolgreich verringern und bekämpfen. Auch die mehr oder weniger schädlichen Luftbestandteile lassen sich durch Sauberkeit in Stallboxen und Stallräumen, auf Dungplätzen und in Güllegruben auf ein Minimum herabsetzen. Dazu gehören auch Möglichkeiten, an der Bausubstanz von Ställen und Stallanlagen durch Rekonstruktion das Stallklima zu verbessern. Diese Seite der Verhinderung von „dicker Luft“ soll einem weiteren Beitrag mit Bautipps und Empfehlungen vorbehalten werden.

Fazit

Wir sollten ständig bemüht sein, Mängel und Schwachstellen unserer Stallanlagen zu erkennen. Dazu gehören die genannten Schwerpunkte des Stallklimas. Wir sind gut beraten, unsere Kaninchen in hellen, geräumigen, gut belüfteten Ställen mit einer tiergerechten Raumtemperatur zu züchten. Züchtern, die noch einige Probleme mit dem Raumklima oder gar mit den Schadgasen in ihren Anlagen haben, sollte man gern etwas unter die Arme greifen. Die aufgeführten Fragen und Antworten sollen dabei eine kleine Hilfe sein.

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