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Für Jugendzüchter und Neueinsteiger: Der richtige Stall für die Haltung von Rassekaninchen

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche, wirtschaftliche, gesunde und tierschutzgerechte Zucht der Kaninchen ist in erster Linie die sachgemäße Unterbringung der Tiere. Die Zielsetzungen der Kaninchenzüchter und der Kaninchenhalter sind sicher unterschiedlich, dennoch sind bei den Haltungserfordernissen und der Haltungshygiene keine Unterschiede zu akzeptieren.

Kaninchen sind hinsichtlich ihrer Haltungsbedürfnisse recht anspruchslose Tiere. Dennoch sollten Kaninchenzüchter bemüht sein, die Umweltbedingungen so zu gestalten, dass den Tieren optimale Bedingungen zur Verfügung stehen. Extreme Umweltfaktoren wie witterungsbedingte Einflüsse (Wind, Regen und Sonneneinstrahlung) müssen vermieden werden und sind beim Bau bzw. Aufstellen eines mehrbuchtigen Kaninchenstalls bereits im Vorfeld zu berücksichtigen. In nicht wenigen Fachbüchern wird zudem auf Stalltemperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtprogramm u. a., die sogenannten Umwelteinflüsse, eingegangen.

Das Foto oben zeigt eine Anlage, die man als halb offen bezeichnen kann, denn durch die Tür erfolgt ein ständiger Luftaustausch. Sollte das Wetter zu unberechenbar werden (starke Fröste, Schneesturm), dann kann auch der obere Türrahmen geschlossen werden.

Bei der Planung beginnt man am besten mit einer der Rasse entsprechenden Größe der tiergerechten, angemessenen Unterbringung der Kaninchen. Hier darf der zweite Schritt nicht vor dem ersten erfolgen. Hat man sich für eine Rasse entschieden, dann kann man auch die Buchtengröße planen. Dabei gilt der Grundsatz, besser die Einzelbox etwas größer zu bemessen, als es die Norm vorschreibt. Damit erreicht man zwei Aspekte: Die Tiere fühlen sich in einem größeren Stall gut untergebracht, und bei einem eventuellen Rassenwechsel hat man eine Alternative. Als Jugendzüchter sollte man bei der Planung des Stalles die Größe und die Anzahl der Buchten berücksichtigen und nicht überdimensionieren. Kaninchenzucht ist eine Freizeitbeschäftigung, die gerade bei Jugendlichen nicht übertrieben werden darf, da sie ja noch in ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung stehen. Hier müssen Freiräume bleiben und auch entsprechend berücksichtigt werden.

Hinweise für den Stallbau bzw. Stallkauf

  • Die einzelnen Boxen müssen genügend groß (entsprechend der Rasse) und vor Zugluft und Nässe geschützt sowie hell sein. Im Winter sind sie gegen zu große Kälte und im Sommer gegen starke Wärmeeinwirkung abzuschirmen.
  • Die Anlage muss sich gut reinigen und desinfizieren lassen. Für eine Mist- bzw. Dungablage ist ein geeigneter Lagerplatz vorzusehen.
  • Die Einrichtung der Stallanlage sollte so gestaltet werden, dass eine arbeits- und zeitsparende Versorgung der Tiere möglich ist.
  • Verstärkt wird seit einigen Jahren der strukturierte Stall gefordert. Darunter versteht man Zusatzeinrichtungen, die verschiedene Funktionen haben können: Ruhe- und Rückzugsbrett für säugende Häsinnen, eine Röhre oder ein eingebautes „Sprungbrett“, beides als Bewegungs- bzw. Beschäftigungsangebot gedacht. Man wird staunen, wie schnell solche Einrichtungen angenommen werden.
  • Die Anlage ist gegen Ungeziefer, Raubzeug, Hunde und Katzen zu schützen. Es sollte auch beachtet werden, dass keine Unbefugten Zugang haben.



Das Kriterium Boxengröße

Ein Deutscher Riese mit einem Idealgewicht von über 7 kg hat natürlich einen andern Platzbedarf als ein Kleinsilber mit einem Gewicht von über 2,5 kg. Wer an eine Gruppenhaltung von ausgewachsenen Tieren in größeren Ställen oder Gehegen denkt, sollte berücksichtigen, dass dies viel Unruhe und die Gefahr von Verletzungen durch Beißereien mit sich bringen kann. Für die Jungtieraufzuchten bis zur Geschlechtsreife können jedoch Gruppengehege durchaus sinnvoll sein, da sie bessere Bewegungsmöglichkeiten bieten.

Für Zucht- und Ausstellungstiere werden folgende Mindestmaße der Einzelbuchten gefordert:

  • große Rassen = 110 cm breit, 80 cm tief, 70 cm hoch,
  • mittlere Rassen = 85 cm breit, 80 cm tief, 60 cm hoch,
  • kleine Rassen = 70 cm breit, 75 cm tief, 60 cm hoch,
  • Zwergrassen = 65 cm breit, 70 cm tief, 50 cm hoch.

Man baut seinen Stall so, dass zumindest einige Wände zwischen den Boxen herausnehmbar sind. Dadurch kann man Häsinnen mit Jungen oder auch Jungtiere problemlos unterbringen. Die Zahl der Boxen richtet sich nach der Anzahl der Zuchthäsinnen. Pro Häsin rechnet man für Nachzuchttiere im Durchschnitt vier bis sechs Boxen.

Bei der Anlage eines Stalles unterscheiden wir in Außen- und Innenstall. Beide haben gewisse Vor- und Nachteile. Ich tendiere zum Außenstall in einer geschützten Lage mit Überdachung, weil hier eine natürliche Luftzirkulation vorhanden ist und eine Anpassung an die Umwelttemperatur erfolgen kann. Außerdem ist ein Außenstall in der Erstellung preisgünstiger und kann ggf. auch an einen anderen Standort transportiert werden. Bei einer entsprechenden Vorsorge kann im Außenstall durchaus eine erfolgreiche Kaninchenzucht betrieben werden. Die Tiere sind auch besser abgehärtet, da sie der Witterung doch näher ausgesetzt sind.

Doch auch der Innenstall hat seine Vorteile. Die Boxengröße unterscheidet sich in beiden Ställen nicht, doch der Schutz gegen Witterungseinflüsse und eine gleichmäßigere Temperatur können insbesondere bei der Winterzucht von großem Vorteil sein. Auch bei den Arbeiten im Stall, beim Füttern und Reinigen ist der Züchter nicht jeder Witterung ausgesetzt. Gleichzeitig ist die Innenstallanlage gegen Unbefugte, Raubzeug u. Ä. gut geschützt, vorausgesetzt es sind keine Schlupflöcher vorhanden. Sie hat weiter den Vorteil, dass in myxomatosegefährdeten Regionen entsprechende Maßnahmen wie die Anbringung von Fliegengaze problemlos möglich sind. In einer Innenstallanlage können auch ein Futterraum, ein Ablageplatz für Heu und Stroh, Lagerstellen für Gerätschaften und Futter eingeplant werden. Bei einer großzügigen Einrichtung wird oft auch eine Sitz- und Schreibecke eingebaut. Der Innenstall, egal ob aus einer Holzkonstruktion oder ummauert, ist auf jeden Fall aufwendiger in der Erstellung und auch teurer.

Es gibt natürlich auch die Alternative, dass dort, wo schon Kaninchenställe in der Familie vorhanden sind, dem Jugendzüchter eine Anzahl von Boxen zur Verfügung gestellt wird und er mit seiner eigenen Zucht und Kreativität wirken kann. Wichtig ist, dass der Jugendzüchter oder die Jugendzüchterin einen gewissen Bereich an Ställen selbst betreut und dadurch auch eigene Erfahrungen sammeln kann.

In der Kaninchenzucht hat sich seit Jahrzehnten die Einzelbuchtaufstellung bewährt und durchgesetzt. Kannte man früher nur die sogenannte Einstreu- oder Rostbodenhaltung (mit selbst gebauten Holzrosten), so gibt es heute modernere Methoden. Die Haltung auf Stroh ist weit verbreitet. Voraussetzung dabei ist, dass die Stallböden dicht sind und ein ausreichendes Gefälle nach hinten haben, damit der Urin am besten durch Abflussrinnen an eine zentrale Stelle abfließen kann. Es gibt aber auch Aufstallformen auf Spalten- oder Gitterböden aus Kunststoff oder Metall, mit einem zusätzlichen Ruhebrett und einer darunter herausnehmbaren Kot- und Urinwanne. Diese Aufstallung ist zu empfehlen, wenn wenig Platz für die Mistablagerung vorhanden ist. Von der Handhabung her ist die Sache problemlos, jedoch ist eine regelmäßige Entleerung notwendig.

Für das Wohlbefinden der Tiere ist weniger die Aufstallform, sondern vielmehr die sachgerechte und hygienische Betreuung von Wichtigkeit. Dazu braucht man eine durchdachte und funktionsfähige Stallanlage.

Themen: Stallbau

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