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Anforderungen an die Nestbox

Ein Problem bei der intensiven Kaninchenhaltung wie auch bei der Rassekaninchenzucht besteht darin, die zum Teil noch zu hohen Jungtierverluste zu senken. Die Verluste vor dem Absetzen können durch viele Faktoren bedingt sein: pathologische Ursachen (z.B. Durchfälle), zu niedriges Geburtgewicht in Verbindung mit großen Würfen, Wurfnummer der Häsin (z.B. Erstgebärende), Jahreszeit (bei Außenklimahaltung) und Management des Nestes.

Das mütterliche Verhalten der Häsinnen ist dadurch charakterisiert, dass ein bis zwei Tage vor dem voraussichtlichen Termin der Geburt mit dem Bau eines Wurfnestes begonnen wird. Wildkaninchen nutzen dazu unterirdische Baue mit Satzröhren. Diese Baue können aus einer unterschiedlichen Anzahl von Röhren und Kammern bestehen und werden über Generationen genutzt.

Als Nestmaterial verwenden Kaninchen am Futterplatz angebotenes Heu, im Gehege gesammeltes Gras, Stroh oder in der Nestbox angebotene Sägespäne. Außerdem wird das Nest mit büschelweise aus Brust, Bauch und Flanke herausgerissenen Haaren ausgepolstert. Die Haare bieten eine sehr gute Isolationswirkung und sorgen damit für eine Wärmedämmung. Dieses Nestbauverhalten steht unter dem Einfluss verschiedener Hormone (z.B. Östradiol, Progesteron und Prolaktin).

Die Bauweise einer Nestbox und das Einstreumaterial dürfen nicht das Säugen der Jungen behindern. Wenn Nest und Einstreumaterial nicht die Anforderungen der Häsin erfüllen, kann dies zu Verhaltensstörungen führen. So werden Jungtiere verstreut über die gesamte Gehegefläche geboren. Eine Konsequenz daraus wiederum ist das Ansteigen der Jungtierverluste.

Die bevorstehende Geburt kündigt sich durch eine erhöhte Unruhe der Häsin an – die Häsinnen wechseln häufig den Aufenthaltsort. Während der Geburt sitzt die Häsin gekrümmt vor oder im Nest und leckt die Genitalregion. Nach der Geburt beleckt die Mutter ihre Neugeborenen und frisst die Eihäute. Kaum auf der Welt graben sich die Jungtiere in das Nestmaterial ein. Neugeborene, die außerhalb des Nestes geboren werden, versuchen schnell zu dem übrigen Wurf zu gelangen. Auch dafür ist eine geeignete trockene Einstreu erforderlich. Die Jungtiere liegen eng aneinandergedrängt im Nest, um sich gegenseitig zu wärmen und somit die Energieverluste niedrig zu halten.

Freies und kontrolliertes Säugen der Jungtiere

In der intensiven Kaninchenhaltung gibt es zwei Strategien für das Management des Nestes: Zum einen kann das Nest ständig geöffnet sein, so dass die Häsin immer Zugang hat („freies Säugen“). Dies erlaubt auch ein mehrmaliges Säugen in 24 Stunden. Insbesondere in der zweiten Säugewoche werden die Jungen vermehrt zweimal pro Tag gesäugt. Dieses Verfahren ist aus der Sicht des arttypischen Verhaltens begründet. Zum anderen gibt es das Verfahren, dass die Nestbox ständig geschlossen ist und nur einmal am Tag (zumeist am Morgen) geöffnet wird („kontrolliertes Säugen“). Es wird beschrieben, dass dadurch die Jungtierverluste – vor allem bei Erstgebärenden – reduziert werden können.

Zu diesen beiden Methoden (freies oder kontrolliertes Säugen) liegen widersprüchliche Ergebnisse bezüglich Jungtierverluste und Gewichtsentwicklung in der Literatur vor. Die kombinierte Methode (freies Säugen in der ersten Woche und anschließend kontrolliertes Säugen) führt offensichtlich zu den besten Aufzuchtleistungen, auch wenn es sich mit dem Ergebnis der höchsten Säugeaktivität in der zweiten Laktationswoche zu widersprechen scheint.

Eine spezielle Säugemethode wurde in Ungarn durch Prof. Szendrö entwickelt. Zwei Häsinnen werden separat gehalten, und beide haben kontrollierten Zugang zum Säugen desselben Wurfes. Das Säugen durch zwei Häsinnen hat verschiedene Vorteile. Die Jungtiere säugen am Morgen und am Nachmittag oder Abend. Sie trinken mehr Milch, der Lebendmassezuwachs vor und nach dem Absetzen ist höher, die Verlustquote ist niedriger als beim traditionellen Säugen durch eine Häsin. Eine breite praktische Anwendung hat dieses Verfahren allerdings noch nicht erfahren. Der Zugang zum Nest sollte jedoch in jedem Fall verschließbar sein, um bei verschiedenen Managementmaßnahmen Jungtiere und Häsin zu separieren.

In der intensiven Kaninchenhaltung entsprechen die Breite (40 bis 48 cm) und die Höhe (30 bis 35 cm) der Nestbox oft der Größe des Käfigs, während die Tiefe etwa 24 bis 27 cm beträgt. In vielen Fällen ist die Nestbox ein Bestandteil des Käfigs. Sie kann aber ebenso außen an der Stallung befestigt werden. Die Nestbox sollte am 28. Tag nach dem Decken bzw. der Besamung angehängt bzw. geöffnet werden. Wenn der Zeitraum bis zur Geburt zu kurz ist, können daraus Störungen im mütterlichen Verhalten resultieren. Die Häsinnen „bauen“ ein schlechtes Nest, und das kann zum Anstieg der Verluste und zu Leistungsdepressionen führen.

Als Nestboxmaterial ist Holz, Metall oder Kunststoff verwendbar. Holz hat den Nachteil, dass es durch die Kaninchen angeknabbert werden kann. Das Risiko besteht weiterhin darin, dass das Holz durch Kot und Urin verschmutzt wird und sich schlecht desinfizieren lässt. Vor allem in der intensiven Kaninchenhaltung ist dies nicht zu akzeptieren. Metall hat eine hohe Wärmeableitung und wirkt somit sehr „kühl“. Auch Kunststoffmaterialien können beknabbert werden. Die italienischen und spanischen Hersteller von Intensivhaltungs-Systemen (Käfiganlagen) setzen dennoch auf dieses Material und bieten Nestboxen aus Kunststoff an. Dabei unterscheiden sich die Produkte der verschiedenen Firmen nur durch die Farbe und kleine technische Details des Nestboxen-Verschlusses. Der Boden der Nestbox sollte gelocht sein, damit Flüssigkeit (Urin) abfließen kann.

Das Anbieten von geschlossenen Nestboxen kann durchaus auch in der Rassekaninchenzucht Anwendung finden. Gelegentlich wird vom „Verstreuen“ der Würfe, von Totgeburten und gehäuften Verlusten nach der Geburt berichtet, ohne dass die Ursachen dafür klar sind. In solchen Fällen kann eine Nestbox eingesetzt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in der Rassekaninchenzucht ein großes Spektrum sehr unterschiedlicher Rassen gezüchtet wird – von den Zwergrassen bis zu den Riesenkaninchen. Demzufolge müssen die o.g. Maße an die Körpergröße der jeweils gehaltenen Rasse angepasst werden.

In den Leitlinien der deutschen Gruppe der World Rabbit Science Association (WRSA) und des DLG-Ausschusses für Kaninchenzucht und -haltung wird eine Mindestfläche von 800 cm2 gefordert. Die Tiefe der Nestmulde sollte 8 bis 10 cm betragen. Die Höhe der Nestbox wird mit 30 cm angegeben.

Fazit

Das Anbieten einer Nestbox gewährleistet eine optimale Jungtieraufzucht und sollte auch in der Rassekaninchenzucht in Betracht gezogen werden, wenn eine solche nicht bereits angewendet wird.

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