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Vorsichtiges Erwärmen unterkühlter Jungtiere

26.01.2017

© Roland Karl

Ein Tuch schützt beim Erwärmen vor Verbrennungen und nimmt gleichzeitig Feuchtigkeit auf.

Bildergalerie: Vorsichtiges Erwärmen unterkühlter Jungtiere

Die Aufzuchtphase, eine Zeit, in der so viele Jungtiere das Licht der Welt erblicken, zählt zweifelsohne zu den schönsten in der Kaninchenzucht. Welchem Züchter geht nicht das Herz auf, wenn er die erste Nestkontrolle durchführt und diese kleinen zerbrechlichen Tiere sich winden und zurück ins Nest krabbeln? So groß die Freude über gesunde und vitale Jungtiere ist, so groß ist der Frust, wenn beim täglichen Rundgang durch die Zuchtanlage der Blick auf leblose Jungtiere fällt. Häufigste Ursache ist dabei Unterkühlung: entweder weil die Häsin unmittelbar nach dem Werfen kein Nest gebaut hat und die Jungtiere, in der ganzen Box verteilt, nicht ausreichend Wärme erhielten oder weil sie nach dem Säugen ein Junges aus dem Nest gezogen hat, das dann nicht mehr den Weg zurück fand. Gerade jungen Häsinnen unterlaufen diese Aufzuchtfehler, doch sind auch ältere Häsinnen nicht dagegen gefeit. Eine wirkliche Chance, dies zu vermeiden, hat der Züchter in der Regel nicht. Nur mit viel Glück ist er zum Zeitpunkt des Werfens gerade in seiner Anlage, kann beobachten, wie sich die Häsin verhält, und notfalls helfend eingreifen. Kommen die Jungtiere aber nachts zur Welt, ist es am Morgen, wenn der Züchter seine Anlage betritt, meist schon zu spät und die kleinen Kaninchen liegen leblos im Stall.

Jungtiere sollten beim Erwärmen nicht dirket in sich zu stark erhitzende Behältnisse gelelgt werden, da sie sonst Verbrennungen erleiden könnten.Dazwischen liegt ein stark von der Außentemperatur abhängiges, relativ schmales Zeitfenster, in dem der Züchter die gefährdeten Jungtiere retten kann. Bei starken Minusgraden ist, vor allem in Außenställen, der Erfrierungstod kaum zu vermeiden. Doch bei milden Temperaturen oder in wärmeren Innenställen besteht immer berechtigte Hoffnung, das eine oder andere neugeborene Kaninchen zu retten. So kommt es gelegentlich vor, dass eine Häsin, erst kurz bevor der Züchter seine Stallungen kontrolliert hat, Jungtiere zur Welt brachte und nicht in ein warmes Nest legte. Die Jungen winden sich oft nur noch ganz leicht oder scheinen schon tot. Doch die kleinen Kerlchen sind oft zäher, als man erwartet. Sofern die Leichenstarre noch nicht eingesetzt hat, lohnt es allemal, die Tiere wieder zu erwärmen, um so dem einen oder anderen das Leben zu retten.



Um diesen Rettungsversuch erfolgreich durchzuführen, sind vor allem zwei Dinge zu beachten: Zum einen ist ein geeignetes Gefäß zu wählen, in das die Kaninchen gelegt werden; zum anderen dürfen die Tiere nicht zu schnell erwärmt werden. „Eile mit Weile“ sollte die Devise sein.

Der Behälter mit den unterkühlten Jungtieren sollte ausreichend Abstand zur Wämequelle haben.Ich verwende in solchen Fällen einen Futternapf aus Kunststoff. Da das Material aber sehr schnell aufheizt, lege ich es mit einem Tuch aus, sodass sich die Kaninchen keine Verbrennungen zuziehen können. Beim Erwärmen ist darauf zu achten, dass die Tiere nur in der Nähe einer Wärmequelle platziert sind, etwa eines Kachel- oder Schwedenofens. Keinesfalls sollten sie direkt auf eine Heizung gelegt werden. Auch beim Bestrahlen mittels Rotlichtlampe muss man Vorsicht walten lassen: Keinesfalls darf die Lampe zu nahe an den Jungtieren sein – ein etwas größerer Abstand schadet weniger als ein zu geringer!

Jetzt heißt es abwarten. Hat der Züchter die Jungtiere rechtzeitig entdeckt, dann werden die Tiere bald wieder Leben zeigen und sich räkeln und strecken – selbst zunächst tot geglaubte! Andererseits ist aber genau zu beobachten, bei welchem Tier keine Hoffnung mehr besteht, es muss unverzüglich entfernt werden. Je nach Vitalität der Jungtiere können sie dann wieder zurück in die Box gebracht werden. Ob sie nun wieder zur Häsin kommen und der Züchter selbst ein Nest baut, in das er die Jungtiere legt, oder ob er sie kennzeichnet – etwa mit einem Filzstiftstrich auf dem Rücken – und bei einer anderen Häsin unterlegt, hängt von der jeweiligen Situation und dem Vertrauen in das Muttertier ab.

Werden die aufgewärmten Jungtiere bei einer Häsin untergelegt, müssen sie gekennzeichnet werden – etwa mit einem Filzstiftstrich auf dem Rücken. Wenn es sich offensichtlich um zwei verschiedene Rassen handelt, kann darauf verzichtet werden.Für welche Variante auch immer sich der Züchter entscheidet, zunächst sollte er die Häsin aus dem Stall entfernen. Erst wenn sich die Kleinen an das Nest gewöhnt haben und ruhig liegen bleiben, kann die Häsin wieder zurückgesetzt werden. Reicht man dem Muttertier dabei gleich eine kleine Leckerei in Form einer Möhre oder anderem Saftfutter, vermeidet man zudem, dass sie gleich das Nest kontrolliert. So wird dann auch vermieden, dass sie das Nest wieder aufdeckt und den Jungtieren erneutes Unheil droht.

Das Verhalten der Häsin ist in den ersten Minuten genau zu beobachten. Erst wenn es den Anschein hat, dass die Jungtiere sowohl vor Kälte als auch vor einer übereifrigen Häsin geschützt sind, sollte sich der Züchter für eine gewisse Zeit zurückziehen, ehe er nochmals einen letzten Kontrollgang vollzieht.

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