Wie man Freunde gewinnt
07.02.2011
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Wie man Freunde gewinnt
Von der hohen Kunst, beliebt zu werden, zu sein und zu bleiben
Doch nicht nur die Rednerkunst allein ist für das Führungspersonal unserer Vereine und Verbände nützlich, sondern auch ein entsprechender Umgang mit den Menschen, dies gilt natürlich auch im geschäftlichen oder im gesellschaftlichen Leben. Ein häufig erkennbarer Mangel an Einfühlungsvermögen und Verständnis verhindert die Bildung von Freundschaften. Ein Sprichwort besagt: „Wer Honig will, muss die Bienen summen lassen!“ Der Mensch, ein Wesen voller Gefühle, Stolz und Eitelkeiten Bevor wir einen Menschen, einen Züchter oder eine Züchterin, ändern oder gar „umerziehen“, ist es doch sinnvoll, bei sich selbst zu beginnen. Im Umgang mit Menschen dürfen wir nie vergessen, dass wir es in aller Regel nicht mit logischen Wesen zu tun haben, sondern mit Wesen voller Gefühle, Vorurteile, Stolz und Eitelkeiten.
Wie zeigen wir uns als Rassekaninchenzüchter gelegentlich bei Ausstellungen nach der Bewertung? Doch anstatt die Preisrichter zu verurteilen, sollten wir besser versuchen, sie zu verstehen! Ich gebe ehrlich zu, dass dies nicht immer leicht für uns Züchter ist. Doch erst die innere Einsicht schafft eine Atmosphäre der Nachsicht und Güte, des Verzeihens. Aber um zu verstehen und zu verzeihen, braucht man Charakter und Selbstbeherrschung. Wir kennen ja einige Vorfälle aus den letzten Jahren. Um Freude zu gewinnen und zu halten, sollte man mit seinem Urteil stets bis zum Schluss warten, anstatt unbedachte Vorurteile preiszugeben. Viele Leser werden jetzt vielleicht denken: „Ach Quatsch! Alles schon versucht, sinnlos! Die sollen ruhig wissen, was wir meinen!“ – Natürlich kommt man bei klugen Menschen nicht unbedingt mit Schmeicheleien an, obschon es auch Menschen gibt, die sehr nach Anerkennung hungern. Lob und Anerkennung an richtiger Stelle erhöhen die Motivation für gute Leistungen. Freunde brauchen solche Reaktionen. Woran aber erkennt man den Unterschied zwischen Anerkennung und Schmeichelei? Ganz einfach: Die eine ist echt, die andere unecht. Die eine kommt von Herzen, die andere aus dem Munde. Die eine ist selbstlos, die andere selbstsüchtig. Die eine wird allgemein geliebt, die andere allgemein verurteilt! Eine Lebenserfahrung sagt: Hüte dich vor Freunden, die dir schmeicheln! Da kommt die Frage auf: Sind solche Schmeicheleien – auch unter den Rassekaninchenzüchtern – nur ein Hilfsmittel, um gewisse Chancen zu ergattern? Nur durch eine aufrichtige, ehrliche Anerkennung gewinnt man Freunde, echte Zuchtfreunde. Aber auch eine sachbezogene Kritik gehört zur hohen Kunst, beliebt zu werden. Mein früherer Ausbilder prägte einmal einen Satz zum Umgang mit Menschen: „Wenn es überhaupt ein Erfolgsgeheimnis gibt, so besteht es in der Fähigkeit, sich auf den Standpunkt des anderen zu stellen und die Dinge ebenso kritisch von seiner Warte aus zu betrachten.“ Setzen wir dies einmal auf die Rassekaninchenzucht um und fragen uns, warum mein Zuchtfreund mehr Erfolg hat als ich. Was mache ich falsch? Die neidlose Anerkennung fällt uns schwer. In neunzig von hundert Fällen verstoßen wir gegen dieses Gebot. Auch die Züchterwelt ist zunehmend selbstsüchtig geworden. Wenn wir die Dinge, im Verein oder auch im privaten Bereich, vom Standpunkt des anderen Menschen aus betrachten und überdenken, ist es nicht unbedingt schwer, neue Einsichten und Freunde zu gewinnen. Und unter Freunden ist vieles möglich. Doch ein Rassekaninchenzüchter, der sich nicht für seine Vereinskollegen oder Mitmenschen interessiert, hat im Leben viele Schwierigkeiten und fügt anderen sogar noch Schaden zu. Solche Menschen können sogar die Ursache für menschliches Elend sein. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Rassekaninchenzüchter und Freunde einem ihre Aufmerksamkeit widmen, sich ehrlich für ihr Gegenüber interessieren. Wollen wir Freunde gewinnen, dann müssen wir auch einmal etwas für die Menschen in unserem Umfeld tun. Freundschaften kosten Zeit und Mühen. Selbstlosigkeit und Aufmerksamkeit sind gefordert. Doch haben wir noch Zeit für unsere Zuchtfreunde, z.B. beim Schaufertigmachen der Rassekaninchen? Bitte geben Sie sich selbst die Antwort darauf. Doch es bleibt, wie es ist: Taten sprechen deutlicher als alle guten Worte! „Wir schaffen das!“ Die richtige innere Einstellung, Mut zur Offenheit, eine gewisse Freundlichkeit, all das sind die Grundpfeiler des Erfolgs. Das richtige Denken ist an sich schon eine kreative und aufrichtige Tätigkeit. Mut zur Offenheit heißt auch, dass man als erfahrener Züchter einen Zuchtfreund ehrlich und offen berät, gegebenenfalls auch zu einer wichtigen Entscheidung in der Zuchtlenkung. Es gilt die klare Vorgabe, Ratschläge und Erfahrungen weiterzugeben.
Auch die Überlegenheit anderer Züchter, z.B. große Schauerfolge, können Freundschaften beleben, wenn sie aufrichtige Anerkennung finden. Betrüblich ist nur, dass oftmals gerade die weniger erfolgreichen Züchter ihre Unzulänglichkeiten durch ihr Getue kompensieren, was geradezu abstoßend wirkt. Wer hat noch nicht diese unangenehmen Erfahrungen beim Erwerb eines Zuchttieres gemacht? „Wer sind Sie, was wollen Sie, heute nicht, nur ab Stall, das Tier nicht, Sie müssen sich aber schnell entscheiden...“ Und oft wurden wir von der Nachzucht enttäuscht. War das Zufall? Wo liegt die Ursache? Nicht selten kommt es am Ende der Diskussion zu diversen Streitgesprächen. Übrigens: Man kann ein Streitgespräch nie gewinnen. Aussage gegen Aussage, Verdächtigungen und Unwahrheiten unter Züchtern bringen keinen weiter. Freundschaften werden gesprengt, meist sogar für immer. Denken wir daran, dass man durch Streitereien nur selten das bekommt, was man will. Durch Nachgiebigkeit erreicht man auf der anderen Seite meistens sogar mehr, als man erwartet hat. Nur ein kooperativer Umgangsstil, sachlich und kreativ, wird Freundschaften aufrechterhalten. Gedanken zur Vermeidung unnützer Streitigkeiten In einem Lehrbuch für junge Ausbilder fand ich folgenden Satz: „Es gibt keine Formel, mit der Streitigkeiten vermieden werden können!“ Aber wie kann man dann überhaupt Kritik üben, ohne sich unbeliebt zu machen? Ganz einfach: Die Kritik bezieht sich immer nur auf einen ganz bestimmten Sachverhalt, nie auf die Person. Denn es geht ja letztendlich um unsere Kaninchen, persönliche Dinge lassen wir außen vor. Meine Gedanken und Vorstellungen möchte ich mit den Worten des verstorbenen Psychologen William James schließen: „Verglichen mit dem, was wir sein können, sind wir nur halb wach!“ Heinz Ohnesorge |




